Übelkeit und Erbrechen

Frau mit Übelkeit hält sich die Hand vor den Mund

Was sind Übelkeit und Erbrechen?

Übelkeit ist eine Empfindung, die sich im Hals und/oder im Bereich um den Magen herum (Oberbauch) bemerkbar macht. Sie ist der Ausdruck eines unterschwelligen Brechreizes – also das Gefühl, erbrechen zu müssen. Übelkeit (med.: Nausea) kann mehr oder weniger lange anhalten und dann wieder verschwinden oder zum Erbrechen (Emesis) führen – Übelkeit ist mit und ohne Erbrechen möglich.

Übelkeit und Erbrechen sind extrem unangenehm. Dennoch haben sie einen Sinn: Es handelt sich um eine wichtige Schutzfunktion des Körpers, einen Reflex. Schädliche Stoffe sollen durch das Erbrechen auf schnellstmöglichem Weg wieder nach draußen befördert werden. Gesteuert wird dieser Vorgang von dem sogenannten Brechzentrum, das im Hirnstamm sitzt. Das Brechzentrum liegt nahe bei dem Bereich, der für die Atmung und den Kreislauf verantwortlich ist. Durch diese räumliche Nähe beeinflussen sich das Brechzentrum und das Atem- und Kreislaufzentrum gegenseitig. So ist zu erklären, dass zum Beispiel tiefes Ein- und Ausatmen Übelkeit vorübergehend lindern kann.

Das Brechzentrum empfängt Signale aus dem Magen-Darm-Trakt, dem Gleichgewichtsorgan, der Großhirnrinde und von dem Herzen. Melden diese Organe an das Brechzentrum, dass etwas nicht in Ordnung ist, löst es Übelkeit, Brechreiz und gegebenenfalls Erbrechen aus.

Beim Erbrechen zieht sich der Dünndarm in Richtung Magen zusammen – also in die entgegengesetzte Richtung als normal. Dadurch kann es zum Galle-Erbrechen kommen – das Erbrochene sieht dann gelb-grün bis grün-braun aus. Der Magen ist dagegen beim Erbrechen weniger aktiv als sonst. Gleichzeitig erschlafft der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre, der normalerweise das Zurückfließen von Mageninhalt verhindert. Zusätzlichen Druck bauen die Bauchmuskeln und das Zwerchfell auf, die sich krampfartig zusammenziehen. Durch das wiederholte Anspannen wird der Mageninhalt in die falsche Richtung befördert. Die Folgen: Übelkeit und Erbrechen.

Nausea und Emesis zählen zu den häufigen Anlässen, aus denen der Hausarzt aufgesucht wird. Eine Überweisung zu einem Facharzt wie einem Gastroenterologen ist in der Regel nur dann notwendig, wenn der Verdacht auf eine chronische Erkrankung besteht. Die Beschwerden treten in allen Altersgruppen auf. Erbrechen bei Kindern ist vor allem bei Kleinkindern und jüngeren Schulkindern weit verbreitet. Da Kinder besonders schnell austrocknen, ist es extrem wichtig, auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Auch ältere Menschen, die häufig ohnehin zu wenig trinken, haben ein erhöhtes Risiko für eine Austrocknung bei Erbrechen.

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Übelkeit und Erbrechen: Ursachen

Bei Übelkeit und Erbrechen sind die Ursachen extrem vielfältig. Ständige, andauernde Übelkeit deutet auf chronische Ursachen hin. Plötzliche Übelkeit, die nach kurzer Zeit von selbst wieder verschwindet und nicht wiederholt auftritt, lässt dagegen eher auf einen akuten Grund wie einen Magen-Darm-Infekt schließen.

Grundsätzlich lassen sich die Auslöser in vier Gruppen einteilen:

  • Nausea durch Störungen oder Erkrankungen der Bauchorgane, z.B. der Verdauungsorgane, der Nieren oder des Herzens (viszerale Ursaschen)
  • Übelkeit durch Ursachen im Bereich des Gehirns und Rückenmarks, z.B. erhöhter Hirndruck, Durchblutungsstörungen des Gehirns, Migräne, emotionale Reaktionen, psychische Erkrankungen, starke Schmerzen
  • Übelkeit als Anzeichen einer Vergiftung, z.B. durch (überdosierte) Medikamente oder Stoffwechselprodukte, die nicht ausreichend abgebaut werden
  • Nausea durch Störungen des Gleichgewichtsorgans, z.B. Reiseübelkeit (Kinetose)

Stress und Sorgen können auf den Magen schlagen und Nausea auslösen. Plötzliche Übelkeit nach dem Essen deutet auf einen Zusammenhang mit der Ernährung hin. Lebensmittelunverträglichkeiten (z.B. Laktoseintoleranz, Fructoseintoleranz), Lebensmittelallergien oder Lebensmittelvergiftungen sind mitunter für Übelkeit nach dem Essen verantwortlich. Darüber hinaus kann ein übermäßiger Konsum der „Genussgifte“ Nikotin und Alkohol die Beschwerden verursachen.

Ein Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) gehört bei Übelkeit ebenfalls zu den möglichen Ursachen. Dabei reagiert der obere Verdauungstrakt überempfindlich auf innere und äußere Reize. Ist der untere Verdauungstrakt betroffen, handelt es sich um einen Reizdarm (Reizdarmsyndrom). Typische Symptome sind immer wieder auftretende Darmprobleme wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen. Diese können abwechselnd oder gleichzeitig auftreten. Die Ursachen der Reizdarm-Beschwerden sehen immer mehr Wissenschaftler in einer geschädigten Darmbarriere.

Auf Reisen kann die Reisekrankheit bzw. Reiseübelkeit (med.: Kinetose, bei Schiffsreisen auch Seekrankheit genannt) auftreten: Sie entsteht, wenn das Gehirn durch ungewohnte Bewegungen widersprüchliche Signale von den Sinnesorganen – v.a. dem Gleichgewichtsorgan und den Augen – erhält. Die Kinetose äußert sich durch Symptome wie Übelkeit und Schwindel.

Auch ein zu hoher (Hypertonie) oder zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) ruft mitunter Nausea hervor. Übelkeit bis hin zum Erbrechen kann außerdem eine Folge von Flüssigkeitsmangel sein. Nach langen Aufenthalten in der Sonne tritt gelegentlich ein Sonnenstich auf, der ebenfalls mit Nausea, Erbrechen und weiteren Symptomen verbunden ist.

Bei Frauen gehören die normalen hormonellen Schwankungen im Verlauf des Zyklus bei Übelkeit zu den möglichen Ursachen. Besonders häufig kommt Übelkeit in der Schwangerschaft vor. Schwangerschaftsübelkeit mit Erbrechen tritt bei bis zu 90 Prozent aller Schwangeren auf – vor allem bis zur 20. Woche. Das Erbrechen in der Schwangerschaft bezeichnen Ärzte als Emesis gravidarum. Besonders schwere Übelkeit in der Schwangerschaft, bei der häufiges Erbrechen zu Komplikationen wie Austrocknung und einem Elektrolytmangel führen kann, kommt bei etwa 2 von 100 werdenden Müttern vor. In vielen Fällen ist die Schwangerschaftsübelkeit eines der ersten Anzeichen der Schwangerschaft, das Frauen wahrnehmen.

Medikamente können ebenfalls für Nausea, Brechreiz und zum Teil auch Erbrechen verantwortlich sein, zum Beispiel:

  • Antibiotika
  • Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), z.B. Ibuprofen, Naproxen, Acetylsalicylsäure, Diclofenac
  • Narkosemittel (Anästhetika)
  • Medikamente, die im Rahmen einer Chemotherapie bei Krebs eingesetzt werden (Zytostatika), z.B. bei Darmkrebs
Paella mit Meeresfrüchten – möglicher Verursacher von Übelkeit und Erbrechen
Lebensmittelinfektionen können innerhalb weniger Stunden Symptome wie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Je nach Erreger treten jedoch auch erst nach Monaten Beschwerden auf.

Auch einige Erkrankungen kommen bei Erbrechen und Übelkeit als Ursachen infrage. In den meisten Fällen sind Magen-Darm-Infektionen für Übelkeit – häufig in Kombination mit Durchfall – verantwortlich. Die Ansteckung erfolgt zum Beispiel über den Kontakt mit anderen erkrankten Personen oder über infizierte Lebensmittel. Bei Lebensmittelinfektionen dauert es zwischen weniger als einer Stunde bis hin zu mehreren Monaten, bis Symptome auftreten: Etwa eine Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus, das sich hauptsächlich auf Fleisch und Wurst befindet, kann bereits eine halbe Stunde bis acht Stunden nach dem Verzehr des infizierten Lebensmittels Symptome wie Nausea, Erbrechen oder Durchfall verursachen. Eine Lebensmittelinfektion mit dem Hepatitis A-Virus, das zum Beispiel in Fisch und Meeresfrüchten vorkommt, führt dagegen erst nach 10 bis 50 Tagen zu Beschwerden.

Weitere Krankheiten, die Nausea, Brechreiz und Emesis hervorrufen können, sind zum Beispiel:

Erkrankungen der Speiseröhre und des Magen-Darm-Trakts:

  • Aussackungen (Divertikel) der Speiseröhre
  • Risse in der Schleimhaut der Speiseröhre, z.B. durch eine Refluxerkrankung
  • Verkrampfung des Schließmuskels am unteren Ende der Speiseröhre (Achalasie)
  • vermehrte Magensäure-Produktion, z.B. nach fettreichem Essen
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Beweglichkeitsstörungen (Motilitätsstörungen) des Magen-Darm-Trakts, z.B. Magenlähmung (Gastroparese)
  • Magengeschwür (Ulcus ventriculi)
  • Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
  • Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori
  • Magenkrebs (Magenkarzinom)
  • Magendurchbruch (Magenperforation)
  • Dumping-Syndrom: sturzartige Entleerung von Mageninhalt in den Dünndarm, die zu Beschwerden wie Übelkeit, Bauchkrämpfen und einem erniedrigten Blutdruck (Hypotonie) führen kann – tritt v.a. nach Magen-Operationen auf
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen, z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa
  • Blinddarmentzündung (Appendizitis)
  • Verengungen (Stenosen) des Magen-Darm-Trakts
  • Darmverschluss (Ileus)
  • Darmdurchbruch (Darmperforation)
  • Verschluss eines den Darm versorgenden Blutgefäßes (Mesenterialinfarkt)

Erkrankungen der Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und Nieren:

  • Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis)
  • Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)
  • Nierensteine (Nephrolithiasis)
  • Nierenkolik
  • Nierenversagen
  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • akutes Leberversagen
  • Leberkrebs (Leberzellkrebs, hepatozelluläres Karzinom)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Erkrankungen der Geschlechtsorgane:

  • verdrehte Eierstockzysten
  • Eierstockentzündung (Adnexitis)
  • Eileiterschwangerschaft
  • Hodendrehung (Hodentorsion)

Erkrankungen des Gehirns:

  • Migräne
  • Kopfverletzungen, z.B. Schädelprellung, Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnerschütterung)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Enzephalitis)
  • erhöhter Hirndruck
  • Hirnblutung
  • gut- oder bösartige Tumoren des Gehirns

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems:

  • Verschluss oder Aussackung der Bauchschlagader (Bauchaortenthrombose oder Bauchaortenaneurysma) oder anderer Blutgefäße im Bauchraum
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)

Erkrankungen der Augen und Ohren:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Morbus Menière (Erkrankung des Innenohrs, die u.a. zu Schwindelanfällen und Übelkeit führt)
  • Neuronitis vestibularis (Erkrankung des Gleichgewichtsorgans mit ungeklärter Ursache)
  • Glaukomanfall (plötzliche, starke Erhöhung des Augeninnendrucks, die zu einer Schädigung des Sehnervs führen kann)

Weitere Erkrankungen, die bei Übelkeit als Ursachen in Frage kommen:

  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)
  • Ketoazidose (Stoffwechselentgleisung, die besonders häufig bei Diabetes mellitus auftritt)
  • Vergiftungen, z.B. durch Medikamente, Putzmittel, Pflanzenschutzmittel, Kohlenmonoxid
  • Bauchfellentzündung (Peritonitis)
  • verschiedene seltene, angeborene Stoffwechselstörungen
  • Strahlentherapie bei Krebserkrankungen – v.a. bei Bestrahlungen der Bauchorgane, etwa bei Darmkrebs

Schwere Übelkeit und Erbrechen können auf eine medizinische Notfallsituation hinweisen. Der sogenannte akute Bauch (akutes Abdomen) ist ein Symptomkomplex, der bei verschiedenen schwerwiegenden Erkrankungen auftreten kann. Er äußert sich neben Übelkeit und Erbrechen auch durch heftige Bauchkrämpfe und Bauchschmerzen. Ein akutes Abdomen ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Übelkeit und Erbrechen: Symptome

Je nach zugrunde liegender Ursache treten neben Übelkeit weitere Symptome auf. Brechreiz und Erbrechen sind relativ häufig gleichzeitig vorhanden. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen nur Übelkeit ohne Erbrechen vorkommt. Dies ist sehr unangenehm, da das Erbrechen oft eine gewisse Erleichterung bringt und die Übelkeit vorübergehend lindert. Auch Bauchschmerzen und Übelkeit treten häufig gemeinsam auf.

Zu den typischen Anzeichen einer Magen-Darm-Infektion gehören zum Beispiel:

Frau erbricht in Toilette – Erbrechen und Übelkeit sind häufig gleichzeitig auftretende Symptome
Neben Übelkeit ist Erbrechen eines der häufigsten Symptome einer Magen-Darm-Infektion

Auch Magenschmerzen oder Magenkrämpfe können auftreten. Mitunter ist die Körpertemperatur erhöht. Weitere Beschwerden, die in vielen Fällen auf eine Magen-Darm-Grippe hindeuten sind unter anderem Müdigkeit, Schwäche und Zittern.

Sind andere Erkrankungen Ursache der Übelkeit, können weitere Symptome auftreten, darunter:

  • Fieber
  • Schwindel
  • Ohrensausen
  • Kopfschmerzen
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • beschleunigter Herzschlag (Tachykardie) oder Verlangsamung (Bradykardie)
  • Augenschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • Gelbfärbung der Haut
  • Sehstörungen, z.B. verschwommenes Sehen
  • Schmerzen in der Brust
  • Atemnot
  • Bewusstseinsstörungen
  • Erbrechen von Stuhl (Miserere)

Anhaltendes Erbrechen infolge der Nausea kann Komplikationen hervorrufen. Symptome sind zum Beispiel:

  • zum Teil starker Gewichtsverlust
  • Flüssigkeitsmangel bis hin zur Austrocknung
  • Einrisse der Schleimhaut zwischen Speiseröhre und Magen
  • Stoffwechselentgleisungen

Gelangt Erbrochenes durch Einatmen in die Lunge, kann es dort eine Lungenentzündung hervorrufen (sog. Aspirationspneumonie).

Übelkeit und Erbrechen: Diagnose

Bei Übelkeit und Erbrechen kann bereits das Arzt-Patienten-Gespräch in vielen Fällen erste Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache geben. Der Arzt stellt deshalb zunächst einige Fragen, darunter:

  • Seit wann leiden Sie unter Übelkeit, Brechreiz und/oder Erbrechen?
  • Haben Sie weitere Beschwerden, z.B. eine erhöhte Körpertemperatur, Durchfall oder Kopfschmerzen?
  • Bei gleichzeitigen Bauchschmerzen: Wie fühlen sich diese genau an (z.B. dumpf, krampfartig), wo befindet sich der Schmerz und strahlt er aus?
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Welche, wie viel davon und seit wann?
  • Treten Übelkeit bzw. Erbrechen zu bestimmten Gelegenheiten auf, z.B. vorwiegend morgens oder nach dem Verzehr bestimmter Speisen?
  • Leidet in Ihrem Umfeld (z.B. Partner, Kinder, Eltern, Kollegen, Freunde) jemand unter den gleichen Symptomen oder unter einem Magen-Darm-Infekt?
  • Haben Sie sich in letzter Zeit im Ausland aufgehalten?

Bei Übelkeit mit Erbrechen sind zum Stellen der Diagnose weitere Fragen sinnvoll, unter anderem:

Frau mit Fieberthermometer – Fieber und andere Begleitbeschwerden geben bei Übelkeit Hinweise auf die Diagnose
Treten weitere Symptome wie Fieber auf? Diese und weitere Fragen stellt der Arzt, um bei Übelkeit die Diagnose der Ursachen zu stellen.
  • Wann müssen Sie erbrechen, z.B. morgens, nach dem Essen?
  • Wie oft haben Sie bereits erbrochen?
  • Ist Ihnen vor dem Erbrechen übel?
  • Wie sieht das Erbrochene aus, z.B. blutig, gelb-grün, unverdaut?

Wann und wie lange Erbrechen auftritt gibt dem Arzt wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen. Akutes Erbrechen spricht zum Beispiel für eine Magen-Darm-Infektion oder Vergiftung. Dauern Übelkeit und Erbrechen länger als einen Monat an, gelten die Beschwerden als chronisch. In diesem Fall kommen zum Beispiel eine gestörte Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts (Motilitätsstörungen), Medikamentennebenwirkungen oder eine Schwangerschaftsübelkeit infrage.

Erbrechen oder Übelkeit am Morgen ist bei Frauen ebenfalls ein Hinweis auf eine Schwangerschaft. Darüber hinaus verursachen ein übermäßiger Alkoholkonsum und bestimmte Stoffwechselentgleisungen (Urämie) sowie Erhöhungen des Hirndrucks Übelkeit am Morgen, die zu Erbrechen führen kann.

Erbrechen oder Übelkeit während oder direkt nach dem Essen deutet mitunter auf eine funktionelle Störung wie einen Reizmagen hin. Außerdem können psychische Ursachen wie eine Essstörung zugrunde liegen. Treten die Beschwerden dagegen mindestens eine Stunde nach dem Essen auf, kann eine gestörte Magenentleerung durch eine Motilitätsstörung oder ein Hindernis (z.B. eine Verengung) die Ursache sein. Je später nach dem Essen die Symptome auftreten, desto tiefer im Verdauungstrakt liegt die Störung.

Schwallartiges Erbrechen kommt vor allem bei Vergiftungen (z.B. Pilzvergiftung, Fischvergiftung) und Magen-Darm-Infektionen, aber auch bei einem erhöhten Hirndruck vor. Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Gehirn, Rückenmark) verursachen gelegentlich auch Erbrechen ohne vorherige Übelkeit.

Körperliche Untersuchung

Nach dem Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei achtet der Arzt zum Beispiel darauf, ob der Betroffene blass und abgeschlagen wirkt. Außerdem betrachtet er die Augen: Sind die Pupillen geweitet? Blickt der Patient starr? Sind die Augen gelb verfärbt? Darüber hinaus helfen dem Arzt folgende Untersuchungen, bei Übelkeit und Erbrechen die Diagnose zu stellen:

  • Messen von Puls und Blutdruck
  • Beurteilung der Nackenbeweglichkeit
  • Abtasten des Bauches: Oberbauch, Unterbrauch, Flanken

Je nach vermuteter Ursache der Beschwerden können bei Übelkeit weitere Diagnose-Maßnahmen notwendig sein, zum Beispiel:

Übelkeit und Erbrechen: Behandlung

Was hilft gegen Übelkeit und Erbrechen? Bei Übelkeit richtet sich die Therapie nach der Ursache der Beschwerden. Häufig sind es bereits Kleinigkeiten, welche die Symptome lindern können. Bei stressbedingter Nausea helfen in vielen Fällen Entspannungsübungen wie Yoga oder Autogenes Training. Auch Sport trägt dazu bei, Stress abzubauen.

Bei einer Magen-Darm-Infektion als einem der häufigsten Auslöser von Nausea ist in vielen Fällen nur eine symptomatische Behandlung möglich. Außerdem ist es wichtig, den Flüssigkeits- und Elektrolytmangel auszugleichen. Auch einige allgemeine Verhaltensregeln können Übelkeit und Erbrechen lindern, zum Beispiel eine leichte, fettarme Ernährung und körperliche Schonung. In manchen Fällen ist es sinnvoll, kurzzeitig komplett auf feste Nahrung zu verzichten. Wichtig ist jedoch, immer ausreichend zu trinken.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten aus der Homöopathie, Übelkeit und Erbrechen symptomatisch zu behandeln. Wenn möglich, sollte bei Übelkeit die Therapie jedoch die Ursache beseitigen. Diese Behandlungsmöglichkeiten kommen unter anderem infrage:

  • Meidung bestimmter Lebensmittel bei Unverträglichkeiten und Allergien, z.B. Milchprodukte bei einer Laktoseintoleranz
  • Wechsel zu besser verträglichen Mitteln oder Anpassung der Dosierung bei Übelkeit durch Medikamente
  • Protonenpumpenhemmer oder H2-Rezeptorblocker bei einer Refluxkrankheit oder einer Magenschleimhautentzündung
  • Cortison bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
  • Operation bei einer Blinddarmentzündung (Appendizitis), einer Darmverengung (Stenose) oder einem Darmverschluss (Ileus)

Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen: Antiemetika

Ein Medikament gegen Übelkeit ist nicht in jedem Fall sinnvoll. Übelkeit und Erbrechen stellen eine Schutzfunktion des Körpers dar. Bei Vergiftungen (z.B. Lebensmittelvergiftungen) sollte dieser Schutzmechanismus nicht unterdrückt werden. Auch bei einer bakteriellen oder viralen Magen-Darm-Infektion sorgen Nausea und Erbrechen dafür, dass die Erreger aus dem Körper befördert werden. In diesem Fall ist das Erbrochene hochansteckend und eine sehr gute Hygiene gefragt, um die Ansteckung weiterer Personen zu vermeiden.

Tropfen auf Löffel – Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen – sogenannte Antiemetika – gibt es unter anderem in Form von Tropfen, Tabletten und Zäpfchen

Es gibt verschiedene Tabletten und Tropfen gegen Übelkeit – sogenannte Antiemetika. Für Menschen, die wegen der Übelkeit keine Mittel einnehmen können oder diese sofort wieder erbrechen, gibt es einige Wirkstoffe alternativ auch als Zäpfchen.

Ein Medikament gegen Übelkeit behebt nicht die Ursache der Beschwerden. Es sorgt aber dafür, dass sich der Betroffene besser fühlt. Es gibt verschiedene Arten von Antiemetika, die an jeweils unterschiedlichen Punkten der Entstehung von Nausea und Brechreiz ansetzen. Dies ermöglicht es, bei Bedarf auf ein anderes Medikament gegen Übelkeit zu wechseln, falls ein Wirkstoff nicht wie gewünscht wirkt. Gegebenenfalls können auch verschiedene Antiemetika kombiniert werden.

In manchen Fällen ist es sinnvoll, Antiemetika vorbeugend zu nehmen. Wer zu Reiseübelkeit neigt, kann zum Beispiel vor längeren Fahrten oder Flügen dazu greifen. Zur Vorbeugung dieser Kinetosen gibt es Mittel gegen Übelkeit zum Beispiel in Form von Pflastern oder Kaugummis. Auch Menschen mit einer Krebserkrankung, die eine Chemo- oder Strahlentherapie benötigen, erhalten häufig vorsorglich ein Medikament gegen Übelkeit.

Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen

Was tun gegen Übelkeit? Häufig sind es einfache Hausmittel, die unkompliziert helfen – sofern nicht eine schwere Erkrankung die Ursache der Beschwerden ist. Auch bei Problemen durch Medikamentennebenwirkungen sollten Sie mit den allgemeinen Tipps gegen Übelkeit vorsichtig sein. In diesem Fall ist der Arzt, der die Medikamente verordnet hat, der beste Ansprechpartner.

Bei Beschwerden durch Magen-Darm-Infektionen oder kreislaufbedingter Nausea, die nur schwach oder mäßig ausgeprägt ist, können einige Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen jedoch lindernd wirken. Diese Tipps gegen Übelkeit haben sich zum Beispiel bewährt:

  • Magen-Darm-Tee, vor allem Kamillen-, Pfefferminz- und Fencheltee
  • Ingwer, z.B. als Tee: frischen Ingwer in Scheiben schneiden, mit kochendem Wasser übergießen und ca. 15 Minuten ziehen lassen. Alternativ können Sie auch ein Stück frischen Ingwer schälen und kauen. Bei Schwangerschaftsübelkeit ist Ingwer weniger empfehlenswert, da dieser Wehen fördern kann
  • langsam und regelmäßig tief Ein- und Ausatmen
  • Druckmassage am Handgelenk – den Punkt zwischen den beiden Sehnen an der Innenseite des Handgelenks kreisförmig für etwa ein bis zwei Minuten massieren
  • bei morgendlicher Übelkeit in der Schwangerschaft: bereits im Bett vor dem Aufstehen eine Kleinigkeit essen, z.B. ein trockenes Stück Brot

Bei länger andauernder Übelkeit, starken Beschwerden und häufigem Erbrechen ist es sinnvoll, einen Arzt aufzusuchen. Dieser kann die Ursachen der Symptome feststellen und die entsprechende Therapie einleiten. Bei Bedarf kann er Antiemetika verschreiben. Wenn durch starkes Erbrechen sehr viel Flüssigkeit verloren geht, kann er darüber hinaus eine Infusion legen.

Ernährung bei Übelkeit und Erbrechen

Was essen bei Übelkeit und Erbrechen? Häufig haben Betroffene keinen Appetit. Kurzzeitig kann eine Nahrungspause sinnvoll sein, um den Magen nicht zu belasten. Es ist jedoch wichtig, immer darauf zu achten, dass der Körper ausreichend mit Flüssigkeit und Elektrolyten versorgt ist.

Für die Ernährung bei Übelkeit und Erbrechen gilt: Was vertragen wird, ist in Ordnung. In den meisten Fällen ist dies eine leichte, fettarme Ernährung. Fettreiche Speisen erfordern vom Magen Höchstleistungen bei der Verdauung und sind deshalb bei Nausea nicht geeignet. Eine leichte Schonkost ist dagegen empfehlenswert. Auf ballaststoffreiche und blähende Lebensmittel sollten Betroffene mit Übelkeit besser verzichten. Sind bestimmte Lebensmittel für die Symptome verantwortlich, gehören diese ebenfalls vom Speiseplan gestrichen. Wenn Sie nicht genau wissen, welche Speisen Ihnen Probleme bereiten, kann ein Ernährungstagebuch hilfreich sein. Darin notieren Sie einige Zeit, was sie verzehrt haben und ob sie anschließend Beschwerden wie Nausea hatten.

Einige allgemeine Ernährungstipps können bei leichter Übelkeit ebenfalls helfen:

  • Essen Sie nicht zu hastig und kauen Sie gut.
  • Vermeiden Sie Ablenkung beim Essen und achten Sie auf eine entspannte Atmosphäre.
  • Wenn Ihnen große Mahlzeiten Probleme bereiten, versuchen Sie es mit mehreren kleinen Portionen.
  • Speisen und Getränke sollten weder zu heiß noch eiskalt sein.
  • Kohlensäurehaltige und zuckerreiche Getränke wie Limonaden belasten den Magen unnötig.
  • Verzichten Sie auf stark Gewürztes und scharfe Speisen.
  • Kaffee und Alkohol sind bei Übelkeit nicht geeignet. Auch auf das Rauchen sollten Sie verzichten.

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Quellen
Arastéh A et al. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
Herold G. Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
Ledochowski M (Hrsg.). Klinische Ernährungsmedizin. Springer, Wien 2010
Mader FH, Weigerber H. Allgemeinmedizin und Praxis. Springer Medizin, Heidelberg 2007
Müller MJ (Hrsg.). Ernährungsmedizinische Praxis. Springer Medizin, Heidelberg 2007
Piper W. Innere Medizin. Springer Medizin, Berlin 2013
Riemann JF et al. Gastroenterologie, Bd. 1: Intestinum. Thieme, Stuttgart 2008

Autor: reizdarm.net-Redaktion
Letzte Aktualisierung: 11.07.2016

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