Reizdarm (Reizdarmsyndrom, RDS)

Schematische Darstellung Reizdarm

Reizdarm – was ist das?

Das Reizdarmsyndrom (kurz: RDS, engl.: Irritable Bowel Syndrome, IBS) beschäftigt Mediziner und Wissenschaftler schon seit über 100 Jahren. Am Reizdarmsyndrom – oft auch einfach Reizdarm (lat.: colon irritabile) genannt – leiden etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland. Der Begriff „Volksleiden“ ist also durchaus angebracht. Tatsächlich ist das RDS eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland. Früher auch als „nervöser Darm“ bezeichnet, äußert sich ein Reizdarm durch einige typische Symptome, die immer wieder auftreten, manchmal auch gleichzeitig:

Was ist ein Reizdarm eigentlich genau? Mediziner verstehen darunter eine „funktionelle Störung des Verdauungstraktes“. Das bedeutet: Die Funktion des Darms ist beeinträchtigt, es lassen sich jedoch keine organischen Ursachen feststellen, welche diese Beeinträchtigung erklären könnten. Das ist auch der Grund, warum Betroffene immer wieder einmal für Simulanten gehalten werden. Häufig dauert es daher sehr lange, bis das Reizdarmsyndrom diagnostiziert wird.

Ein Reizdarm ist nicht lebensgefährlich. Für Betroffene sind die andauernden Beschwerden jedoch äußerst unangenehm und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Das Reizdarmsyndrom ist nicht mit einem erhöhten Risiko für andere Darmerkrankungen wie Darmkrebs verbunden, allerdings erkranken Betroffene häufiger an depressiven Erkrankungen.

Den Reizdarm-Ursachen auf der Spur

Lange Zeit waren die Reizdarm-Ursachen unklar. Immer wieder wurden Stress und psychosomatische Faktoren als Auslöser vermutet oder die Betroffenen wurden als Hypochonder eingestuft, also als „eingebildete Kranke“. Neuere Forschungsergebnisse haben mehr Licht ins Dunkel der Reizdarmsyndrom-Ursachen gebracht:

  • Darmbarriere: Mittlerweile sind viele Wissenschaftler der Ansicht, dass eine geschädigte Darmbarriere die Hauptursache ist. Die Darmbarriere wehrt als „Schutzwall“ Schadstoffe und Krankheitserreger ab. Studien haben nachgewiesen, dass bei Patienten mit Reizdarmsyndrom die Barrierefunktion des Darms beeinträchtigt ist. Dadurch können Schadstoffe und Erreger in die Darmwand eindringen und winzige Entzündungen verursachen, die den Darm reizen. Die für Reizdarm typischen Symptome wie Verstopfung, Durchfall oder Blähungen treten auf.
  • Darmflora: Eine gestörte Darmflora beeinträchtigt unsere Darmgesundheit empfindlich und könnte ebenfalls zu den Reizdarm-Ursachen gehören: Entscheidend für eine intakte Darmflora ist die ausreichende Anzahl „guter“ Darmbakterien (z.B. Bifidobakterien). Die Gegenspieler der guten Darmbakterien sind krankheitsverursachende Darmbakterien. Überwuchern diese die bakterielle Flora und sinkt die Anzahl der guten Darmbakterien, insbesondere bestimmter Bifidobakterien, sind Darmprobleme „vorprogrammiert“. Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Verstopfung oder Blähungen – und damit die typischen Reizdarm-Symptome – können die Folge sein.

Weitere Faktoren, die einen Einfluss auf den Reizdarm haben und die Symptome verschlimmern können, sind unter anderem:

  • Studien belegen, dass Magen-Darm-Infektionen mit dem Auftreten des Reizdarmsyndroms in Verbindung stehen. Insbesondere nach einer durch Campylobacter-Bakterien hervorgerufenen Durchfallerkrankung tritt bei etwa jedem vierten Betroffenen anschließend ein Reizdarm auf. Bei ihnen bleibt Durchfall häufig weiterhin das Hauptsymptom.
  • Eine gesteigerte Aktivität des darmeigenen Nervensystems (enterisches Nervensystem) und eine höhere Dichte von Nervenzellen in der Darmschleimhaut führen dazu, dass Betroffene die Darmaktivitäten stärker wahrnehmen.
  • Ist die Darmflora ungünstig zusammengesetzt, z.B. mit einer Vermehrung der gasbildenden Darmbakterien, begünstigt dies einen Reizdarm.
  • Stress & psychische Belastungssituationen wirken sich auf den Magen-Darm-Trakt aus – sie führen u.a. dazu, dass sich der Darm vermehrt bewegt. Außerdem geraten Immunprozesse im Darm durcheinander. Stress wirkt sich auf den Krankheitsverlauf aus.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten wie ein abführender Effekt werden ebenfalls mit Reizdarm-Symptomen in Verbindung gebracht.
  • Eine einseitige und fettreiche Ernährung bewirken häufig ein Ungleichgewicht der Darmflora.
  • Eine ballaststoffarme Ernährung fördert allgemein Verdauungsprobleme wie Durchfall und Verstopfung.

Reizdarm-Symptome individuell unterschiedlich

Frau hält sich Bauch - Reizdarm verursacht unter anderem Bauchschmerzen
Typische Reizdarm-Symptome sind Durchfall, Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen

Typische Reizdarm-Symptome sind Durchfall und Verstopfung oder beides abwechselnd. Weitere

Symptome bei Reizdarm sind Blähungen, ein Blähbauch und Bauchkrämpfe. Sie treten immer wieder, abwechselnd oder gleichzeitig auf. Von dem Reizdarmsyndrom Betroffene berichten außerdem über Symptome wie

  • Schmerzen,
  • Völlegefühl,
  • schleimigen Stuhl,
  • das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung.

Je nachdem, welche Symptome maßgeblich sind, unterscheiden Ärzte vier Haupttypen:

  • Durchfalltyp (RDS-D, Reizdarmsyndrom mit Diarrhö): vorwiegend sehr weicher bis flüssiger Stuhl, mehrmals täglich Durchfall (mind. 3 Mal)
  • Verstopfungstyp (RDS-O, Reizdarmsyndrom mit Obstipation): harter Stuhl, nur sehr selten Stuhlgang (max. 3 Mal pro Woche)
  • Reizdarmtyp mit gemischtem Stuhlverhalten (RDS-M): Durchfall und Verstopfung praktisch gleichzeitig, z.B. beide Symptome am selben Tag
  • Reizdarmsyndrom ohne Subtyp: Reizdarm lässt sich aufgrund des Stuhlverhaltens nicht in die Typen RDS-D, RDS-O oder RDS-M einordnen.

Manche Ärzte sprechen auch von dem Schmerztyp und dem Blähungstyp. Jedoch können bei allen Reizdarm-Typen Symptome wie Blähungen, Blähbauch oder Bauchkrämpfe zusätzlich auftreten – sie gehören zu den häufigsten Beschwerden bei einem Reizdarm.

Dass im Verlauf der Verdauung etwas Gas entsteht, ist völlig normal und verursacht für gewöhnlich keinerlei Probleme. Unangenehme Blähungen entstehen durch eine überdurchschnittliche Gasbildung im Darm. Menschen mit Reizdarm empfinden jedoch in vielen Fällen bereits die normale Gasbildung als besonders unangenehm: Die Dehnung der gereizten Darmwand verursacht bei ihnen zusätzlich Schmerzen und Krämpfe im Bauchbereich.

Reizdarm-Diagnose – ein langer Weg

Bei einem Reizdarm die Diagnose zu stellen, ist sehr schwierig bzw. aufwendig. Einen einfachen Reizdarm-Test gibt es nicht. Das wird für die Betroffenen häufig zum Problem. Oft werden sie sogar als Simulanten abgestempelt. Denn wer glaubt einem schon, dass man unter ständigen Beschwerden leidet, wenn sich keine Ursache finden lässt? Die Einschätzung als Simulant wird oft vorschnell gefällt. Die Betroffenen fühlen sich missverstanden und ziehen sich häufig zurück.

Da ein direkter Nachweis fehlt, ist die Reizdarm-Diagnose eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass das Reizdarmsyndrom nicht direkt durch Untersuchungen festgestellt wird, sondern indirekt, indem alle nachweisbaren anderen Erkrankungen mit ähnlichem Beschwerdebild nacheinander ausgeschlossen werden. Dazu gehören zum Beispiel eine Laktoseintoleranz, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sowie Darmkrebs.

Die Reizdarm-Diagnose stellt in der Regel ein Arzt, der auf Magen-Darm-Erkrankungen spezialisiert ist – der Gastroenterologe. Dieser erhebt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese). Dazu stellt er verschiedene Fragen, zum Beispiel:

  • Wie lange haben Sie die Beschwerden bereits?
  • Haben Sie Durchfall oder Verstopfung?
  • Leiden Sie auch unter anderen Symptomen wie Schmerzen – wenn ja, wo treten diese auf?
  • Gibt es bestimmte Nahrungsmittel, die die Darmprobleme verstärken?
  • Ist Ihr Alltag momentan sehr stressig?
  • Haben Sie in letzter Zeit unbeabsichtigt abgenommen?
  • Ist Ihnen Blut im Stuhl aufgefallen?

Einige Kriterien sollen dabei helfen, die Reizdarm-Diagnose zu stellen. Ärzte greifen dazu meist auf die Rom-III-Konsensus-Kriterien zurück. Danach liegt das Reizdarmsyndrom vor, wenn innerhalb der vergangenen zwölf Wochen mindestens an drei Tagen pro Monat wiederkehrende Bauchschmerzen oder Unwohlsein auftraten und mindestens zwei der folgenden Punkte zutreffen:

  • Durch den Stuhlgang bessern sich die Symptome.
  • Seit die Beschwerden auftreten, hat sich die Häufigkeit des Stuhlgangs verändert.
  • Seit dem Auftreten der Symptome hat sich das Aussehen bzw. die Form des Stuhls verändert.

Eine andere Hilfe zum Stellen der Reizdarm-Diagnose ist eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), nach der das Reizdarmsyndrom vorliegt, wenn alle der drei nachfolgenden Punkte erfüllt sind:

  • Seit mind. 3 Monaten bestehen Darmbeschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen), die mit Veränderungen des Stuhlgangs verbunden sind (z.B. Durchfall, Verstopfung).
  • Die Beschwerden sind so stark, dass der Betroffene deswegen Hilfe sucht und/oder sie die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
  • Der Betroffene leidet unter keiner anderen Erkrankung, die für die Symptome verantwortlich ist.

Nach dem Arzt-Gespräch folgt eine körperliche Untersuchung, die sich auf den Bauch konzentriert: Der Arzt tastet den Bauch ab, um festzustellen, ob die Bauchdecke verhärtet ist und ob der Druck Schmerzen verursacht. Mit dem Stethoskop hört der Gastroenterologe, ob sich der Darm vermehrt bewegt. Indem er auf den Bauch klopft, kann der Arzt außerdem feststellen, ob sich Luft im Darm befindet.

Die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung geben erste Hinweise auf die Reizdarm-Diagnose. Um andere Erkrankungen auszuschließen, sind aber weitere Untersuchungen notwendig. Die üblichen Diagnose-Maßnahmen bei Darmbeschwerden bleiben bei Menschen mit Reizdarmsyndrom in der Regel ergebnislos:

  • Eine Darmspiegelung beispielsweise zeigt meist keinen krankhaften Befund. Dabei untersucht der Arzt den Darm mit einer Kamera, die am Ende eines flexiblen Schlauchs befestigt ist. So kann er u.a. erkennen, ob die Darmschleimhaut entzündet ist und ob ein Darmpolyp oder -tumor vorhanden ist. Bei Bedarf, kann er dabei direkt eine Gewebeprobe entnehmen, die anschließend unter dem Mikroskop untersucht wird.
  • Auch Laboruntersuchungen wie Blut-, Urin- oder Stuhlproben sind bei Menschen mit Reizdarmsyndrom normalerweise unauffällig.
  • Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauchs kann der Arzt ausschließen, dass z.B. Gallensteine die Beschwerden verursachen.

Darüber hinaus gibt es den Laktulose-Mannitol-Test, um eine gestörte Darmbarriere festzustellen. Dabei wird gemessen, wie viel von einer Testlösung mit den beiden Zuckern Laktulose und Mannitol, die der menschliche Körper nicht abbauen kann, unverändert mit dem Urin ausgeschieden wird. Mannitol tritt über die Darmzellen ins Blut und von dort in den Urin über. Laktulose nutzt dagegen Zwischenräume zwischen den Zellen. Normalerweise sorgt eine intakte Darmbarriere dafür, dass nur begrenzt Laktulose ins Blut und den Urin gelangt. Ist die Darmbarriere gestört, steigt der Laktulose-Anteil im Urin an.

Ist die Darmflora gestört, lässt sich dies häufig über einen H2-Atemtest nachweisen. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Darms sind bestimmte Stoffwechselprodukte der Bakterien nachweisbar: Einige Bakterien bauen zum Beispiel Glukose zu Wasserstoff (chem.: H2) ab. Dieser gelangt in die Ausatemluft. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung steigt deshalb der Wasserstoff-Anteil im Atem an, nachdem der Betroffene eine Testlösung mit Glukose getrunken hat. Der H2-Atemtest hilft auch dabei, eine Laktose– und Fructoseintoleranz auszuschließen – dazu trinkt der Betroffene eine Testlösung mit Laktose bzw. Fructose.

Nachhaltige Reizdarm-Behandlung

Die Reizdarm-Behandlung war über lange Zeit nur symptomatisch möglich. Die Reizdarm-Therapie richtete sich nach den individuellen Beschwerden. Dabei wurde bei Reizdarm auf Homöopathie, aber auch auf chemische Arzneimittel zurückgegriffen.

Inzwischen gibt es eine vielversprechende Möglichkeit, die an der Ursache des Reizdarmsyndroms ansetzt: Spezielle Bifidobakterien wirken nachhaltig. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Reizdarm-Behandlung ist der richtige Bakterienstamm, der die Barrierefunktion des Darms stärkt und so das Eindringen von Schadstoffen verhindern kann. Doch Vorsicht: Nicht alle Bifidobakterien helfen! Etwa Bifidobakterien aus probiotischen Joghurts haben nicht den gewünschten Effekt. Bis dato konnte nur für den Bifidobakterienstamm B. bifidum MIMBb75 (nur in Kijimea Reizdarm) eine Wirkung nachgewiesen werden.

Die Einnahme dieser speziellen Bifidobakterien stellt daher den Durchbruch in der Reizdarmsyndrom-Therapie dar. Sie ist nebenwirkungsarm und vor allem langfristig wirksam. So wurden in laufenden Studien bislang unter der Zufuhr von spezifischen Bifidobakterien keinerlei Nebenwirkungen beobachtet. Diese speziellen Bifidobakterien des Stamms B. bifidum MIMBb75 greifen dort an, wo das Problem entsteht: Sie verbessern die Funktion der Darmbarriere. Die ideale Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg der Reizdarm-Behandlung.

Welche Reizdarm-Medikamente helfen?

Welches Mittel hilft gegen Reizdarm? Medikamente gegen Reizdarm im engeren Sinne gab es lange Zeit nicht. Daher wurden bei Reizdarm Medikamente eingesetzt, die nur einzelne Symptome behandelten. Das bedeutete: Betroffene, bei denen Verstopfung das vorherrschende Symptom war, erhielten beispielsweise Abführmittel. Beim Durchfalltyp kamen Durchfall-Mittel und Elektrolyte zum Einsatz.

Weitere Medikamente, die die Reizdarm-Symptome lindern können, sind:

  • krampflösende Mittel (Spasmolytika) bei Schmerzen,
  • Psychopharmaka bei Stress,
  • Prokinetika bei einer verlangsamten Magen-Darm-Peristaltik.

Diese symptomatischen Maßnahmen haben jedoch einige Nachteile:

  • Sie können nur einzelne Symptome des Reizdarmsyndroms kurzfristig lindern.
  • Bei zahlreichen gängigen Substanzen können Nebenwirkungen auftreten.
  • Bei dem Reizdarmsyndrom können Medikamente die Symptome häufig effektiv lindern, doch die Ursachen – insbesondere die gestörte Darmflora und die geschädigte Darmbarriere – bleiben bestehen! Die symptomatische Reizdarm-Behandlung schützt den Patienten nicht langfristig vor den Beschwerden.
Schematische Darstellung des Bakterienstamms B. bifidum MIMBb75, der die Reizdarm-Symptome signifikant lindern kann
Der Bakterienstamms B. bifidum MIMBb75 kann die Reizdarm-Symptome signifikant lindern

Der Durchbruch zur Bekämpfung des Reizdarmsyndroms gelang mit dem Bakterienstamm B. bifidum MIMBb75 an der Universität Mailand: Ein Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Simone Guglielmetti stellte fest, dass B. bifidum MIMBb75 Reizdarm-Symptome signifikant lindern kann. Der Bakterienstamm zeichnet sich durch eine besonders starke Adhäsionsfähigkeit aus. Experten sprechen hier vom Pflastereffekt: Sinnbildlich kann man sich vorstellen, dass sich die Bakterien an der Darmwand anlagern wie ein Pflaster, das man auf eine Wunde klebt. Dadurch können keine Erreger mehr in die Darmwand eindringen – der Darm wird vor
weiteren Reizungen geschützt
.

Eine Therapie mit B. bifidum MIMBb75 (in Kijimea Reizdarm) erwies sich, so die Forscher, als besonders wirkungsvoll. Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass sich die Lebensqualität von Betroffenen durch eine Therapie mit Kijimea Reizdarm entscheidend verbesserte.

Reizdarm – was tun? Hausmittel gegen Reizdarm

Was hilft bei Reizdarm? Reizdarm-Hausmittel, durch die die Beschwerden komplett verschwinden, gibt es nicht. Langfristige Hilfe bei Reizdarm können Hausmittel nicht leisten, da sie nicht die Ursachen angehen. Doch einige können einzelne Symptome vorübergehend lindern. So kann für manche Betroffene beispielsweise der Einsatz von Quellstoffen wie Flohsamen oder Leinsamen die bessere Alternative zu Abführmitteln sein. Leichter Durchfall kann auch durch das Essen von wasserbindenden Lebensmitteln wie Bananen oder Äpfeln bekämpft werden. Es gibt eine ganze Reihe solcher Tipps, die auch als Hausmittel gegen Reizdarm die Therapie unterstützen können:

Reizdarm – welche Ernährung ist verträglich?

Um langfristig und nachhaltig den unangenehmen Symptomen wie Durchfall, Verstopfung, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder Blähungen aus dem Weg zu gehen, ist eine bewusste Ernährung bei Reizdarm für Betroffene unverzichtbar.

Eine Umstellung auf eine auf das Reizdarmsyndrom angepasste Ernährung sollte für Reizdarm-Patienten essentieller Bestandteil jeder Therapie sein. Betrachten Sie die Auseinandersetzung mit der Ernährung dabei nicht als notwendiges Übel – sehen Sie diese Möglichkeit vielmehr als Chance! Eine „darmfreundliche“ Ernährung in Kombination mit einer ursächlichen Therapie wie der Einnahme spezieller Bifidobakterien kann nebenwirkungsfrei, schnell und nachhaltig zur Linderung des Reizdarmsyndroms beitragen.

Was essen bei Reizdarm – was nicht?

Ein Standard-Regelwerk mit den richtigen und falschen Lebensmitteln für Reizdarm-Patienten, sozusagen eine universell gültige Reizdarm-Diät, gibt es nicht. Denn so vielfältig die Symptome sind, so unterschiedlich ist auch die Verträglichkeit bestimmter Lebensmittel.

Es gibt jedoch einige Tipps zum Essen bei Reizdarm, die Ihnen im Alltag helfen können:

  • Verzichten Sie auf zu große Portionen.
  • Halten Sie feste Essenszeiten ein und essen Sie regelmäßig.
  • Mehrere kleine Essensportionen sind verträglicher als drei große Mahlzeiten.
  • Am Abend schaltet die Verdauungsaktivität einen Gang runter. Verzichten Sie also um diese Uhrzeit auf besonders üppige Portionen.
  • „Gut gekaut ist halb verdaut“: Kauen Sie gründlich und lassen Sie sich Zeit beim Essen.
  • Vermeiden Sie Essen unter Zeitdruck.
  • Flüssigkeit, Flüssigkeit, Flüssigkeit! Experten empfehlen, mind. 1,5 Liter am Tag zu trinken. Am besten sind stilles Wasser oder ungesüßte Kräutertees. Zu viel Kohlensäure ist tabu!
  • Viel Obst und Gemüse sind für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar. Doch Vorsicht! Nicht jeder verträgt dasselbe und bei rohen Lebensmitteln arbeitet der Darm auf Hochtouren. Deshalb: Am Abend lieber auf größere Mengen Salat und Rohkost verzichten.
  • Meiden Sie blähende Lebensmittel.

Ballaststoffe – sinnvoller Ballast

Müsli mit Obst und Nüssen für Reizdarm-Betroffene mit Verstopfung
Eine ballaststoffreiche Ernährung ist vor allem bei Verstopfung empfehlenswert – bei Durchfall ist die individuelle Verträglichkeit entscheidend

Vor allem Betroffene, bei denen sich das Reizdarmsyndrom vorwiegend durch Verstopfung bemerkbar macht, ist eine ballaststoffreiche Ernährung empfehlenswert. Ballaststoffe quellen im Darm auf und führen dazu, dass der Nahrungsbrei schneller den Verdauungstrakt passiert. Ballaststoffe können auch bei Reizdarm-Betroffenen mit Durchfall sinnvoll sein, da sie stuhlregulierend wirken – allerdings ist bei Durchfall die Darmpassage ohnehin bereits beschleunigt. Deshalb muss hier die individuelle Verträglichkeit getestet werden.

Und wie kann ich mich ballaststoffreich ernähren? Zu den ballaststoffreichen Lebensmitteln zählen unter anderem:

  • Obst (z.B. Äpfel, Himbeeren) und Trockenobst
  • Gemüse (z.B. Möhren, Brokkoli)
  • Getreide (z.B. Vollkornbrot, Haferflocken, Müsli, Hafer- oder Weizenkleie)
  • Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen, Linsen)
  • Nüsse (z.B. Erdnüsse, Mandeln)

Bei einer ballaststoffreichen Reizdarm-Ernährung ist es wichtig, gleichzeitig ausreichend zu trinken, um nicht den gegenteiligen, verstopfenden Effekt zu erzielen.

Achtung! Auch wenn Hülsenfrüchte Ballaststoffe enthalten im Rahmen einer Diät bei Reizdarm sollte man sie nur in Maßen essen, wenn man zu Blähungen neigt.

Finger weg bei Reizdarm: Alkohol, Kaffee, Rauchen

  • Wenn Sie an Reizdarm leiden, sollten Sie Alkohol meiden.
  • Auch Reizdarm und Kaffee vertragen sich nicht gut – das Genussmittel sollte deshalb nur in Maßen genossen werden.
  • Gilt nicht nur bei Reizdarm: Rauchen sollte vermieden werden.
  • Weißmehlprodukte (z.B. Baguette, Brötchen) sind nicht empfehlenswert.
  • Sehr heiße oder sehr kalte Speisen, fette Nahrungsmittel (auch versteckte Fette in Wurst, Käse oder Fleisch) und scharf gewürzte Gerichte können bei Betroffenen mit dem Reizdarmsyndrom zu Problemen führen.
  • Süßigkeiten (Zucker begünstigt das Wachstum von schädlichen Keimen im Darm) sowie blähende Lebensmittel (alle Kohlsorten, Zwiebeln, Hülsenfrüchte, frisches Brot) sind mit Vorsicht zu genießen.
  • Kohlensäurehaltige Getränke und Fertigprodukte sind kritisch.
  • Verschiedene Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit (z.B. in zuckerfreien Kaugummis oder Bonbons) können in größeren Mengen abführend wirken – wer unter Durchfall leidet, sollte besser darauf verzichten.

Nicht jeder verträgt dasselbe

Das Reizdarmsyndrom äußert sich durch ein vielschichtiges Beschwerdebild. Während die einen eher mit Verstopfung und Völlegefühl kämpfen, ist bei anderen Durchfall das vorwiegende Problem. Deshalb können die Ernährungstipps zwar vielen Betroffenen helfen, doch ersetzen sie nicht eine individuelle und professionell angeleitete Ernährungsumstellung. Das heißt, jeder Patient sollte zunächst einmal herausfinden, welche Lebensmittel ihm gut tun, und in welchen Situationen er mit typischen Beschwerden reagiert.

Hier kann es hilfreich sein, über einen gewissen Zeitraum ein Ernährungstagebuch zu führen. Auf Basis dieser Eintragungen kann dann gemeinsam mit einem professionellen Ernährungsberater die individuell richtige Reizdarm-Ernährung erarbeitet werden.

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Quellen
American Gastroenterological Association Institute. Functional Bowel Disorders. Gastroenterology 2006; 130:1480-1491
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen et al. Reizdarm-Syndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 021/016 (Stand: 10/2010)
Guglielmetti S et al. Implicatoin of an Outer Surface Lipoprotein in Adhesion of Bifidobacterium bifidum to Caco-2 Cells. Appl Environ Microbiol 2008; 74(15):4695-4702
Guglielmetti S et al. Randomised clinical trial: Bifidobacterium bifidumMIMBb75 significantly alleviates irritable bowel syndrome and improves quality of life – a double-blind, placebo-controlled study. Aliment Pharmacol Ther 2011; 33:1123-1132

Autor: reizdarm.net-Redaktion
Letzte Aktualisierung: 16.08.2016

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