Fructoseintoleranz

Unter dem Begriff Fructoseintoleranz (auch Fruktoseintoleranz, Fruchtzuckerunverträglichkeit) fassen Mediziner verschiedene Störungen im Fructose-Stoffwechsel zusammen:

  • intestinale Fructoseintoleranz (Fructosemalabsorption): Bei einer Fructoseintoleranz kann der Dünndarm Fruchtzucker (Fructose) nicht bzw. nicht komplett aufnehmen. Dadurch gelangt dieser in den Dickdarm. Dort fermentieren Darmbakterien (Darmflora) den Fruchtzucker zu kurzkettigen Fettsäuren und Wasserstoff.
  • hereditäre (erbliche) Fructoseintoleranz: Diese Form der Fructoseintoleranz entsteht durch einen Defekt des Enzyms Fructose-1-Phosphataldolase. Dadurch reichern sich Abbauprodukte des Fruchtzuckers in der Darmwand, den Nieren und der Leber an und verursachen schwerwiegende Probleme. Betroffene müssen deshalb eine strenge Diät einhalten.
  • Fructosämie, Fructosurie: Durch einen angeborenen Mangel an dem Enzym Fructokinase, das am Abbau von Fructose in der Leber beteiligt ist, gelangt der Fruchtzucker ins Blut (Fructosämie) und wird mit dem Urin ausgeschieden (Fructosurie). Diese Form der Fructoseintoleranz stellt keine Krankheit dar – sie verursacht keine Beschwerden und wird deshalb meist zufällig entdeckt. Eine Diät oder Behandlung ist nicht notwendig.

Die hereditäre Fructoseintoleranz und die Fructosämie sind sehr selten. Die intestinale Fructosemalabsorption kommt dagegen relativ häufig vor. Sie kann vorübergehend oder andauernd auftreten. Schätzungen zufolge sind etwa ein Drittel der Erwachsenen und bis zu zwei Drittel der Kinder zeitweise betroffen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass etwa 15 bis 25 Prozent der erwachsenen Bevölkerung dauerhaft mit einer Fructosemalabsorption leben. Die Diagnose intestinale Fructoseintoleranz kann der Arzt (meist ein Gastroenterologe) durch einen H2-Atemtest stellen.

Während Menschen mit einer erblichen Fructoseintoleranz streng auf ihre Ernährung achten müssen, ist die Diät bei einer intestinalen Fructosemalabsorption nicht ganz so streng. Je nach individueller Verträglichkeit können auch fructosehaltige Lebensmittel verzehrt werden – allerdings in Maßen.

Fruchtzucker gelangt im Dünndarm über spezielle Transport-Eiweiße in die Zellen und von dort in das Blut. Ist dieses Transportsystem beeinträchtigt – zum Beispiel bei Darmproblemen wie einem Reizdarm – verbleiben Fructose-Moleküle im Darm und führen zu den typischen Symptomen wie

Auch bei gesunden Menschen können große Mengen Fructose zu Problemen führen: Eine Zufuhr von 35 bis 50 Gramm Fruchtzucker innerhalb einer Stunde kann das Transportsystem überlasten. Dies kann vorübergehend Beschwerden verursachen, kann aber auch symptomlos verlaufen. Etwa 35 Gramm Fructose stecken zum Beispiel in 500 Milliliter Apfelsaft.

Viele Menschen mit einer intestinalen Fructoseintoleranz leiden gleichzeitig unter anderen Lebensmittelunverträglichkeiten, zum Beispiel einer Laktoseintoleranz oder einer Histaminintoleranz.